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Wenn Jugendliche mit dem Smartphone zocken…

Der dritte Stakeholder Dialog von Casinos Austria und Österreichischen Lotterien widmete sich dem Thema Jugendschutz.

Jugendschutz ist eine der wichtigsten Aufgaben im Rahmen der Spielsuchtprävention – darüber waren sich die Expertinnen und Experten am dritten Stakeholder Dialog von Casinos Austria und Österreichischen Lotterien Unternehmensgruppe im Rahmen der 15. Responsible Gaming Academy einig. Denn im Allgemeinen sind junge Menschen weniger widerstandsfähig gegen die Gefahren des Glücksspiels. Zudem gilt: Wer allzu früh damit anfängt, kommt umso schwerer wieder los, wenn sich das Glücksspiel vom Freizeitspaß zur Sucht wandeln sollte.

Österreich hat ohne Zweifel ein sehr wirkungsvolles System an Vorschriften und Kontrollen, um Jugendliche unter 18 Jahren vom Glücksspiel abzuhalten. Doch all das  nützt wenig, wenn jedes Smartphone und jeder PC im Handumdrehen zu einem Mini-Casino werden kann. Denn gerade online gibt es neben dem einzigen in Österreich konzessionierten und entsprechend streng kontrollierten Online-Angebot „win2day“ sehr viele weitere Glücksspielanbieter. Das Problem dabei: Sie alle operieren zu einem Großteil aus dem Ausland, besitzen keine österreichische Glücksspielkonzession und müssen sich daher auch nicht an örtliche geltende Schutzbestimmungen halten.

Internet-Gambling weist von vornherein Merkmale auf, die einen besonders verantwortungsvollen Umgang damit notwendig machen. So sind Online-Angebote rund um die Uhr verfügbar und von überall rasch zugänglich. Die Ereignisfrequenz ist hoch, und durch den bargeldlosen Zahlungsverkehr wird zudem der echte Geldwert verschleiert. Aus diesem Grund sind die Schutzmaßnahmen bei win2day besonders ausgeprägt.

Angesichts dieser neuen Gefahren hoben die Teilnehmenden am Stakeholder Dialog die Bedeutung von Aufklärung und Prävention hervor. Alle Institutionen, die mit Jugendarbeit zu tun haben, können hier eine Aufgabe übernehmen – Schulen ebenso wie Sportvereine oder Jugendclubs. ... Die Aufklärung soll sich auf „das Entlarven von Glücksspiel-Mythen“ konzentrieren: Glücksspiel ist weder ein Zeichen von weltmännischer Überlegenheit à la James Bond noch ein schneller und bequemer Weg zum Reichtum. Es gibt auch keine Systeme oder mathematische Formeln, mit denen der Zufall überlisten werden könnte.

Dazu kommt die Vorbildfunktion von Erwachsenen aus dem Milieu, mit dem sich die Jugendlichen identifizieren: Spielsuchtprävention ist erstens eine Aufgabe für die Anbieter von Glücksspielen, zweitens für die Behörden, die nicht konzessionierte Angebote wirksam bekämpfen müssen, drittens aber ebenso für die gesamte Gesellschaft- - denn ein vernünftiger Umgang mit Glücksspiel muss genauso erlernt werden wie etwa das verantwortungsvolle Trinken von Alkohol.

Auch das scheinbar paradoxe Phänomen, wonach nicht konzessionierte Glücksspielanbieter auch Steuerzahler seien, kam beim Stakeholder Dialog zur Sprache. Und folgerichtig wurden Fragen laut, ob die Behörden dann überhaupt ein Interesse hätten, gegen solche Steuerzahler vorzugehen. Schnell wurde jedoch deutlich, dass es sich bei den genannten Steuern der nicht konzessionierten Glücksspielunternehmen eben nicht um Glücksspielsteuern im eigentlich Sinn, sondern um Unternehmensabgaben handelt, welche bei Nichtbezahlung eine sofortige Schließung des Unternehmens nach sich ziehen würde. So stand schlussendlich eine gemeinsame Position aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Stakeholder Dialogs fest: Jene Unternehmen bzw. deren Geschäfte seien durch geeignete Maßnahmen zu bekämpfen. Hierzu zählt IP-Blocking ebenso, wie das Unterbinden des Zahlungsverkehrs zwischen unkonzessionierten Anbietern und den Kreditkartenfirmen.

Wer war beim Stakeholder Dialog 2018 dabei?

Die Liste der Teilnehmenden stellte einen umfassenden Querschnitt durch alle Bereiche des öffentlichen Lebens dar, die vom Glücksspiel und seinen Auswirkungen betroffen sind. Durchwegs handelte es sich um Expertinnen und Experten mit jahrelanger Erfahrung im Umgang mit Glücksspiel: Mag.a Caroline Culen und Dr. Christian Kienbacher von der Liga Kinder- und Jugendgesundheit; Elisabeth Gizicki-Merkinger, DAS, die Leiterin der Selbsthilfegruppe „Anonyme Spieler“; der Jugendschutzexperte Dr. Tobias Hayer, Institut für Psychologie und Kognitionsforschung,

Universität Bremen; Dr.in Izabela Horodecki von der Suchthilfe Wien; die Kommunikationsexpertin Dr.in Andrea Köhler-Ludescher; der Spielsuchtexperte A.o. Univ.-Prof. Dr. Herwig Scholz vom Kompetenzzentrum Spielsucht; Mag.a Herta Nagele, die Abteilungsleiterin Retail Management & Wettscheinspiele der Österreichischen Lotterien. Als Gastgeber des Dialogs fungierten Herbert Beck, Prokurist und Bereichsleiter Responsible Gaming, Advertising & Sponsoring und Mag. Hermann Pamminger, CSR-Beauftragter der Casinos Austria und Österreichische Lotterien Unternehmensgruppe.

Mit Beobachterstatus, aber ohne direkte Beteiligung an der Diskussion, nahm überdies Mag. Kurt Sumhammer von BDO Österreich teil, der als Assessor für die Responsible-Gaming-Zertifizierung der Österreichischen Lotterien tätig ist. Ebenfalls als Beobachter dabei: Susanne Hirner, MA, Fachreferentin CSR in der CASAG-ÖLG Gruppe.

Was passiert mit den Ergebnissen unseres Stakeholder Dialogs?

Als Unternehmensgruppe der Glücksspielindustrie mit dem Anspruch „Best in Class“ zu sein, haben wir höchstes Interesse daran, an der Reputation der Branche intensiv mitzuarbeiten. Wir führen daher einen fortwährenden und intensiven Dialog mit allen unseren Stakeholdern, d. h. allen Personen und Gruppen, die ein berechtigtes Interesse an unseren Unternehmensaktivitäten haben- Hierzu zählen vor allem unsere Mitarbeiter, Gäste & Kunden, Lieferanten, Regulatoren, Verbände und die Wissenschaft. Das Feedback aus unseren Kommunikationsaktivitäten fließt laufend in die Weiterentwicklung unserer CSR-Strategie ein, um daraus konkrete Ziele und Maßnahmen abzuleiten.

Insbesondere unterstützen wir den wissenschaftlichen Dialog beim Thema Responsible Gaming durch unseren alljährlichen Stakeholder Dialog, der ein aktuelles Thema aus der Branche aufgreift. Das Protokoll des Dialogs ergeht an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Zum Abschluss einige ausgewählte Zitate aus dem Stakeholder-Dialog 2018:

Elisabeth Gizicki-Merkinger: „Ich glaube, derzeit ist der größte Anreiz übers Internet gegeben. Da ist eine erhöhte Aufmerksamkeit der Eltern vonnöten, damit hier dem Jugendlichen nichts passiert. Nicht alle Eltern wissen, was ihre Kinder im Internet tun.“

Dr.in Izabela Horodecki; „Rund 40-50% der Patienten und Patientinnen der Suchthilfe Wien haben unter 18 Jahren zu spielen begonnen.“

Dr. Tobias Hayer: „Der Einstieg von Jugendlichen in das Gambling erfolgt nicht über echte Glücksspiele, sondern über das, was wir simuliertes Glücksspiel im Internet nennen, und was gerne als Gaming bezeichnet wird.“

Dr. Christian Kienbacher: „Die Verantwortung liegt in gleichen Maßen bei der Gesellschaft und bei Computerspiel- oder Online-Gaming-Konzernen, damit die nächste Generation aufgeklärter, reflektierter und geschützter aufwächst.“

A.o. Univ.-Prof. Dr. Herwig Scholz: „Kinder aus Familien von Spielsüchtigen haben sehr schlechte Lebenschancen werden sehr oft selbst zu Spielern. Selbstwertprobleme und Probleme mit sozialer Unsicherheit sind eine der häufigsten Motive jugendlicher Spielsuchtgefährdeter.“

Dr.in Andrea Köhler-Ludescher: „Was immer man an Maßnahmen zur Aufklärung oder für Informationskampagnen setzt – das wichtigste ist es, die Sprache der Zielgruppe zu treffen, in diesem Fall der Kinder und Jugendlichen.“

Herbert Beck: „Wer sich in Österreich um eine Konzession bewirbt, gleich ob für Glücksspiel oder für Landesausspielungen oder für Sportwetten, der muss ein Spielerschutzkonzept mit einem entsprechenden Schwerpunkt auf Jugendschutz vorlegen. Das Problem sind die Anbieter ohne Konzession.“